Diese Seite ordnet die wissenschaftliche Evidenz zu zentralen Inhaltsstoffen ein – nüchtern, belegbar und ohne Marketing-Nebel. Wir sprechen über das, was Studien tatsächlich untersucht haben (und was nicht), und wir trennen konsequent zwischen Forschungsergebnissen und zulässigen Health Claims.

Wichtiger Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Die folgenden Informationen dienen der Einordnung wissenschaftlicher Literatur und ersetzen keine medizinische Beratung. Health Claims dürfen in der EU nur genutzt werden, wenn sie zugelassen sind.

🧭 Wie wir Evidenz bewerten (damit „Studie“ auch wirklich etwas bedeutet)

Nicht jede Studie ist gleich viel wert. Für diese Übersicht priorisieren wir:

  • Systematische Reviews & Meta-Analysen (sie bündeln mehrere Studien und reduzieren Zufallseffekte).
  • Randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) am Menschen, wenn verfügbar.
  • Plausibilität & Dosis-Kontext: Ein Effekt ist nur dann praktisch relevant, wenn er mit realistischen Dosierungen und in sinnvollen Zeiträumen beobachtet wird.

Und: Wir nennen bewusst auch Grenzen – weil Vertrauen nicht aus Superlativen entsteht, sondern aus sauberer Einordnung.

⚖️ Der regulatorische Rahmen: Was in der EU gesagt werden darf – und was nicht

Die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 regelt, welche gesundheitsbezogenen Aussagen („Health Claims“) zu Lebensmitteln überhaupt zulässig sind. Kurzform: Nur autorisierte Claims sind erlaubt – alles andere kann als unzulässige Gesundheitswerbung gelten.

Das ist der Grund, warum du auf seriösen Seiten häufig Formulierungen siehst wie „trägt bei zu …“ – und warum Aussagen zu „Abnehmen“, „Fettverbrennung“ oder „Appetit zügeln“ besonders streng sind, wenn sie nicht explizit zugelassen wurden.

🧬 Zink: zugelassene Health Claims & metabolische Relevanz

Zink ist ein essenzielles Spurenelement, das in vielen enzymatischen Prozessen eine Rolle spielt – gerade dort, wo der Körper Nährstoffe verarbeitet und umsetzt. Entscheidend ist hier weniger „Trend“, sondern Regelwerk: Für Zink existieren in der EU autorisierte Health Claims.

Zulässige (zugelassene) Aussagen sind u. a.:

  • Zink trägt zu einem normalen Kohlenhydratstoffwechsel bei.
  • Zink trägt zu einem normalen Fettsäurestoffwechsel bei.
  • Zink trägt zu einem normalen Makronährstoff-Stoffwechsel bei.

Wichtig dabei: Health Claims sind nicht „freie Poesie“, sondern an Bedingungen geknüpft (z. B. „Quelle von Zink“ nach Nährwertrecht).

🌿 Inulin (Ballaststoff): Darmfunktion – mit klarer Dosis-Schwelle

Inulin gehört zu den löslichen Ballaststoffen (Fructanen) und wird in der Forschung häufig im Kontext Darmfunktion und Mikrobiom betrachtet. Aus regulatorischer Sicht besonders relevant: Für „native chicory inulin“ (Chicorée-Inulin) gibt es einen autorisierten Claim:

  • Chicorée-Inulin trägt zu einer normalen Darmfunktion bei, indem es die Stuhlfrequenz erhöhtbei einer täglichen Aufnahme von 12 g.

Die 12-g-Schwelle ist dabei kein Detail, sondern der Kern: Der Claim gilt nur unter diesen Bedingungen, und die Verbraucherinformation zur wirksamen Tagesmenge ist verpflichtend.

Ein fachlicher Hinweis am Rand: Inulin kann aus unterschiedlichen Quellen stammen (z. B. Chicorée, Topinambur). Der autorisierte Claim bezieht sich spezifisch auf Chicorée-Inulin mit definierter Bedingung.

☕️ Koffein (aus Guarana): Was Studien zeigen – und warum wir daraus keinen Claim machen

Koffein ist eines der am besten untersuchten Stimulanzien überhaupt. In Studien wird es u. a. zu Aufmerksamkeit, Leistungsfähigkeit und auch zu Parametern der Körperzusammensetzung untersucht.

Eine häufig zitierte Arbeit ist die Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse von Tabrizi et al. (2019): In den eingeschlossenen RCTs waren höhere Koffeinaufnahmen im Mittel mit niedrigeren Werten für Gewicht, BMI und Fettmasse assoziiert – die Autoren berichten dabei allerdings auch eine hohe Heterogenität, also stark unterschiedliche Ergebnisse zwischen Studien. (Tabrizi et al., 2019 – PubMed).

Und jetzt der Teil, der Seriosität von Werbetext unterscheidet: Forschungsergebnis ≠ zulässiger Health Claim. Bei Koffein ist die Health-Claim-Lage in der EU historisch und juristisch komplex; u. a. wurden bestimmte Claim-Anträge (z. B. „… hilft, die Wachheit zu erhöhen“ unter bestimmten Bedingungen) in der Vergangenheit ausdrücklich nicht autorisiert.

Sicherheitsaspekt: Die EFSA hat sich außerdem zur Koffeinsicherheit geäußert (z. B. zur Einschätzung einzelner Dosen bei gesunden Erwachsenen). Wer empfindlich reagiert, sollte Koffein grundsätzlich als „wirkt bei jedem anders“ behandeln.

⚗️ L-Arginin: NO-Stoffwechsel & anthropometrische Endpunkte

L-Arginin ist eine Vorstufe von Stickstoffmonoxid (NO) und wird in der Forschung u. a. mit Gefäßfunktion, Training und metabolischen Markern in Verbindung gebracht. Spannend – aber nicht automatisch eindeutig.

In einer Meta-Analyse randomisierter Studien berichten Mousavi et al. (2019) im Gesamtergebnis eine signifikante Reduktion des Taillenumfangs, während Effekte auf Körpergewicht und BMI insgesamt nicht konsistent signifikant waren; in Subgruppen (z. B. längere Interventionen) tauchten teilweise andere Muster auf. (Mousavi et al., 2019 – PubMed).

Die saubere Schlussfolgerung lautet daher: Arginin ist untersucht, die Ergebnisse sind gemischt, und Dosierung/Dauer scheinen entscheidend zu sein. Alles andere wäre zu glatt – und wissenschaftlich unseriös.

🧪 L-Citrullin: Arginin-Bioverfügbarkeit, Gefäßfunktion & gemischte Daten zur Körperzusammensetzung

Citrullin ist eng mit Arginin verwandt – der Körper kann daraus Arginin bilden. In der Humanforschung steht Citrullin häufig im Kontext Gefäßfunktion und kardiometabolischer Marker.

Eine Meta-Analyse randomisierter Studien von Smeets et al. (2022) diskutiert Effekte von Citrullin (und Wassermelone als Citrullinquelle) auf vaskuläre und kardiometabolische Marker – ein Feld, in dem Studiendesign, Messmethoden und Populationen stark variieren. (Smeets et al., 2022 – PubMed).

Für Blutdruck-Endpunkte existieren ebenfalls systematische Auswertungen; ein Beispiel ist die Meta-Analyse von Barkhidarian et al. (2019). (Barkhidarian et al., 2019 – PMC).

Und was ist mit Körperzusammensetzung? Neuere Auswertungen berichten insgesamt eher keine substantiellen Effekte auf Gewicht/BMI/Fettmasse, während in Subgruppen (z. B. höhere Dosierungen) einzelne Signale diskutiert werden. („Body composition“-Meta-Analyse – NCBI Entrez, 2025).

Kurz: Citrullin ist wissenschaftlich interessant – nur sollte man seine Effekte nicht zu einem einfachen „macht X“ verkürzen.

🔎 L-Glutamin: Glukosemarker & Entzündung – Evidenz mit klaren Grenzen

Glutamin ist die im Blut reichlichste Aminosäure und spielt u. a. eine Rolle in Darm- und Immunstoffwechselwegen. In klinischen Studien wird Glutamin daher nicht selten über Glykämie und Entzündungsmarker betrachtet.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse kontrollierter Studien von Hasani et al. (2021) fand im Mittel eine Abnahme von Nüchternblutzucker und CRP, während andere kardiometabolische Parameter insgesamt nicht signifikant verändert waren. (Hasani et al., 2021 – BMC Cardiovascular Disorders).

Zusätzlich gibt es Meta-Analysen in sportbezogenen Kontexten, die Glutamin insgesamt eher zurückhaltend bewerten, wenn es um Körperkomposition geht. (Ahmadi et al., 2019 – PubMed).

Die vernünftige Lesart: Es gibt Hinweise auf Effekte bei bestimmten Markern, aber keine „breite“ und konsistente Wirkung über alle Parameter hinweg. Das ist kein Nachteil – das ist Wissenschaft in Echtform.

⛑ Glutathion (GSH): antioxidatives System & Insulinsensitivität

Glutathion ist ein zentrales Molekül im körpereigenen antioxidativen System. Forschung dazu ist oft technisch, weil es nicht nur um „mehr Antioxidans“ geht, sondern um Messbarkeit und Bioverfügbarkeit.

Eine besonders hochwertige Quelle ist eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von Søndergård et al. (2021): Dort wurde eine orale Glutathion-Supplementierung über 3 Wochen untersucht, und als Outcome u. a. die Insulinsensitivität mittels Clamp-Verfahren gemessen – ein sehr anspruchsvoller Goldstandard. Die Studie berichtet eine Verbesserung der Insulinsensitivität in der Interventionsgruppe, bei gleichzeitig begrenzten Veränderungen klassischer Oxidationsmarker. (Søndergård et al., 2021 – PubMed).

Gleichzeitig gilt: Kleine Stichprobe, kurzer Zeitraum – wertvoll, aber nicht das Ende der Debatte.

✅️ Was du aus der Evidenz seriös mitnehmen kannst

  • Zink ist der klarste Fall, weil hier autorisierte Health Claims existieren und die Aussagen regulatorisch sauber abbildbar sind.
  • Inulin hat ebenfalls einen autorisierten Claim – aber nur unter einer klaren Dosisbedingung (12 g/Tag) und bei spezifischer Definition.
  • Koffein, Arginin, Citrullin, Glutamin und Glutathion sind gut erforscht, jedoch mit heterogenen Ergebnissen, die stark von Population, Dosis, Dauer und Messmethoden abhängen.
  • Wenn Studien über Körpergewicht oder Körperfett sprechen, gilt fast immer: Effekte sind im Mittel klein, und Lebensstilfaktoren bleiben die Haupttreiber.

📚 Quellen (Auswahl, direkt im Text verlinkt)